Nachruf auf Rüdiger von Schroeder

* 12.12.1928
† 23.12.2018

Mit großer Traurigkeit haben wir im Baltikum vom Tod unseres Pastors und guten Freundes Rüdiger von Schroeder erfahren.
Rüdiger erlebte seine Kinderzeit in Riga und wuchs in der Stabu iela auf. Sein Lebensweg führte im Rahmen von Umsiedlung, Vertreibung und Neuanfang über Westpreußen nach Süddeutschland und in die Schweiz, als Pfarrer diente er unter anderem in der Lutherischen Kirchengemeinde in Basel. Die letzten Jahrzehnte nach seiner Emeritierung lebte er mit seiner lieben Frau Heide in Friedrichshafen am Bodensee.
Rüdiger schickte mir vor Antritt meiner ersten Pfarrstelle in Riga einen herzlich erfreuten Brief mit einem Foto, das ihn mit echt lettischer Wintermütze zeigte. Ich erkannte in ihm sofort einen Menschen mit einem wunderbaren Sinn für Humor und einer echten Herzlichkeit, aber auch mit einer gewissen Hartnäckigkeit: Später erfuhr ich, dass er im Vorfeld häufig bei der Braunschweiger Landeskirche in Wolfenbüttel und in Kiel, bei der Nordelbischen Kirche, angerufen und sich für meine Abstellung nach Lettland stark eingesetzt hatte. Wer weiß, vielleicht wäre es ohne ihn ganz anders gekommen!
Meinen Dienstantritt in der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland am 3. September 2000 hatte Rüdiger phantastisch vorbereitet: Zusammen mit dem Gemeindevorstand hatte er einen schönen Einführungsgottesdienst unter Beteiligung der deutschsprachigen Institutionen und Einzelpersonen in Lettland und der Lettischen Evangelisch-Lutherischen Kirche vorbereitet.
Auf unseren Autofahrten in die Filialgemeinden lernte ich viel über Lettland und gewann Rüdiger zum Freund. Seine Orts- und Menschenkenntnis, erworben in vielen Lettlandbesuchen, kam mir sehr zu Gute, ich freute mich mit ihm über seinen recht unkonventionellen Fahrstil und über seine mitunter deutlich hervortretende Sparsamkeit.
Vermutlich hat er mir auch das Leben gerettet (es gibt ja wenige Menschen, von denen man das mit einiger Sicherheit weiß): Ende August 2000 detonierten in einem Kaufhaus in Riga zwei Bomben. Ich hatte eigentlich vorgehabt, zu genau der Zeit dort einzukaufen, aber Rüdiger sagte: "Einkaufen kannst Du auch morgen, ich zeig Dir jetzt noch die Bank, wo das Gemeindekonto registriert ist".
In meiner Zeit in Lettland und auch danach blieben wir in manchmal engerem, manchmal loseren Kontakt. Ich bewundere seine tatkräftige Mitarbeit an den Diakonieprojekten Lettlands bis zum Schluss, unter anderem in Auce. Ebenso bewunderungswürdig war sein unermüdliches Interesse und seine herzliche Teilnahme am Ergehen der Kirchen im Baltikum, besonders aber an dem der deutschsprachigen Gemeinden. Herzlich gratulierte ich ihm vor einiger Zeit zum Bundesverdienstkreuz.
Auch wenn wir uns in den letzten Jahren nicht mehr gesehen haben, haben wir doch immer mal miteinander telefoniert. Ich freue mich, dass wir uns so vor einiger Zeit noch telefonisch voneinander verabschieden konnten. Möge Gott ihn in sein himmlisches Reich aufnehmen, das ja die himmlische Heimat von uns Christen ist. In seiner irdischen Heimat, dem Baltikum, denken wir in Lettland und Estland voller Dankbarkeit an ihn und wünschen seiner Frau Heide und seiner Familie viel Trost und Kraft aus Gottes Hand.

Matthias Burghardt,
Pastor der deutschsprachigen Gemeinde in Estland