Positionsbestimmung der DELKL

In Bezug auf die LELK, LELKA und die EKD erklären wir:

Die LELK und die DELKL teilen die gemeinsame Verpflichtung gemäß ihrer Verfassungen auf das ev. – luth. Bekenntnis. Es gibt also in dieser Hinsicht eine gemeinsame Grundlage beider Kirchen im Horizont der Kirchengemeinschaften lutherischer Kirchen im Lutherischen Weltbund und in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas. Zwischen beiden Kirchen herrscht Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

 Da der Pfarrer der DELKL entsandter Pfarrer der EKD ist, ist er im Rahmen seiner Ordinationsrechte der Lehre der Gliedkirchen der EKD verpflichtet. Er bemüht sich um ein gutes Verhältnis in der Beziehung zwischen EKD und LELK.

 Christen verschiedener Kirchenzugehörigkeit (vor allem der LELK, LELKA oder einer der Gliedkirchen der EKD) sind eingeladen, bei uns an Veranstaltungen teilzunehmen und sich auch als Mitglieder zu engagieren.

 Wir wollen uns in den genannten Kirchen gegenseitig, soweit es in unseren Möglichkeit liegt unterstützen und konkurrieren nicht gegeneinander.

 Aufgrund unserer besonderen Situation als Deutsche in Lettland bemühen wir uns um ein gutes und freundschaftliches Verhältnis auch mit der LELKA. Mit ihnen herrscht ebenfalls Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Als Lutheraner im Ausland stehen sie als Letten in verschiedenen Ländern vor ähnlichen Herausforderungen wie wir als Deutsche in Lettland. Wir fühlen uns mit ihnen verbunden.

Inhaltlich bestimmen wir die Position unserer Tätigkeit als DELKL zur Zeit folgendermaßen:

Im Blick auf den geistlichen Dienst von Männern und Frauen in der Kirche sehen wir uns den Grundsätzen verpflichtet, die für die Gliedkirchen der EKD gelten. Das gilt auch für den Umgang mit Homosexualität. Homosexuelle Menschen sind bei uns nicht von Sakramenten und kirchlichen Handlungen ausgeschlossen. Gleichgeschlechtliche Paare segnen wir gleichwohl nicht ein.
In Bezug auf Frauenordination finden wir in der Schrift keinen Grund, diese abzulehnen. 
Für die Liturgie ist uns das deutsche „Gottesdienstbuch“ in seinen Grundauffassungen maßgebend. Wie die LELK nehmen wir gern ökumenische Impulse auf und wollen von anderen Konfessionen lernen und verbleiben dabei im Rahmen der theologischen Prinzipien der lutherischen Tradition. 
Mit der LELK sehen wir uns im unabhängigen Lettland in einer missionarischen Situation, die gekennzeichnet ist durch postsowjetische Verhältnisse, Postmoderne und Entfremdung der Menschen der Kirche gegenüber. Wir sind uns bewusst, wie schwer die damit verbundenen Fragen auf uns ruhen. Als Ausdruck der Mission verstehen wir auch, diakonisch über die Grenzen der Gemeindeglieder hinaus zu wirken, denn „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde“.
Wir verstehen unsere Tätigkeit als eine Sonderseelsorge in Lettland an Menschen, die als Deutsche hier leben, deren persönliche Identität mit Deutschland durch Herkunft verknüpft ist, für die deutsche Sprache zum Ausdruck ihres Glaubens gehört oder die sich als Deutsche oder Deutsch Sprechende in Lettland zeitweilig oder als Reisende aufhalten.
Wir wollen diese Seelsorge mit Rücksicht auf die besondere Situation Deutscher in diesem Sinn in Lettland nicht auf Lutheraner beschränken. Christen anderer Konfessionen drängen wir nicht zum Übertritt.
Als Deutsche in Lettland zu leben, bedeutet auch sich einer reichen gemeinsamen und auch belasteten Geschichte zu stellen. In unserem Gemeindeleben spielt auch das Deutschbaltische Erbe eine Rolle. Die Geschichte der Russlanddeutschen gehört zu unserer Identität. Wir verstehen uns in Bezug auf die bundesdeutsche Herkunft vieler Mitglieder als Auslandsgemeinde der EKD.
Das „Barmer Bekenntnis“ zeigt uns beispielhaft auf, wie wenigsten ein Teil der Kirche im Deutschland der jüngeren Geschichte sich gegenüber der Diktatur verhalten hat, die das Verhältnis von Deutschen, Letten, Russen und Juden so schwer belastet hat. Ein gutes Verhältnis zur jüdischen Gemeinschaft liegt uns darum am Herzen. Wir positionieren uns klar und kritisch gegen jede Verharmlosung von Diktaturen, Antisemitismus, Chauvinismus und Sowjetkommunismus.
Für unsere Arbeit gibt es neben der üblichen pastoralen Tätigkeit verschiedene Schwerpunkte:
In der Zusammenarbeit mit der LELK -

  • gemeinsame Amtshandlungen zum Beispiel für binationale Trauungen
  • gemeinsam gestaltete Gottesdienste
  • Zusammenarbeit bei der Ausbildung an der Lutherakademie
  • gemeinsame kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte u.a.
  • Kooperation in der Jugendarbeit
  • Förderung lettisch-deutscher Gemeindepartnerschaften
  • Mitarbeit im Fond für die Dreifaltigkeitskirche in Liepaja

Darüber hinaus -

  • Gedenkveranstaltungen
  • christlich-jüdischer und ökumenischer Dialog
  • Aufarbeitung deutscher, lettischer und russischer Geschichte unter dem Aspekt der Versöhnung im europäischen Horizont
  • allgemein kulturelle Tätigkeit als Teil deutscher Kulturarbeit im Ausland

 

Wortlaut beschlossen in der Synodalsitzung der DELKL am 24. November 2007