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Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias, 2. Könige 5
Lieber Gott, wir danken dir für deine leitenden Hände, für dein
wegweisendes Wort. Wir bitten dich, stärke in uns Geduld und Güte, aber
auch den Mut, zu tun, was wir tun können. Wir bitten dich, lass uns
nicht aus deinen Händen, sei uns Geborgenheit und unserer Seele Heimat.
Amen.
Liebe
Gemeinde!
Der
Predigttext des heutigen Sonntags ist eine lange Geschichte, eine der
Legenden vom Propheten Elischa, das 5. Kapitel des 2. Königebuchs. Wir
haben vorhin einen Ausschnitt gehört. Lassen Sie mich Ihnen die
Geschichte nacherzählen. Sie geschah etwa 850 Jahre vor Christi Geburt.
Damals gab es in Israel ein Nord- und ein Südreich, kleine Staaten in
ständiger Bedrängnis. Der Norden, Samarien unter König Joram, hatte
gerade einen empfindlichen Verlust erlitten gegen die mächtigen Aramäer
im Nordosten. Auch das Volk Gottes konnte verlieren. Und der Erzähler
behauptet auch noch, das sei Gottes Wille gewesen.
Wie
dem auch sei, der Aramäer Naaman war es, der Israel militärisch
gedemütigt hatte, ein erfolgreicher Feldherr der Feinde Israels. Er war
ein angesehener Mann, tapfer und gutaussehend. Sein König konnte stolz
auf ihn sein, ein Held seines Landes, doch der Erzähler sagt: Naaman war
nur Gottes Hand. Ohne den Willen Gottes Israels hätte er nichts bewirken
können.
Nun
aber war Naaman krank, - ihn hatte Aussatz befallen. Es war vielleicht
nicht gerade Lepra, aber seine Haut war weiß vor Ausschlag. Schmerzen
plagten den Kriegshelden.
Im
Haus von Naaman lebte eine Gefangene, - ein verschlepptes Mädchen aus
Israel. Sie diente der Frau des Feldherrn. Ihr tat Naaman Leid.
Sie
sprach mit ihrer Herrin, denn mit dem Herren selbst zu reden gehörte
sich nicht für sie. Sie sagte: Ach, wenn Naaman in Samarien wäre, in
meiner Heimat, dort lebt ein Prophet, der könnte ihn heilen. Die Frau
erzählte das ihrem Mann. Naaman schöpfte Hoffnung und trat vor seinen
König: Bei mir arbeitet ein israelitisches Mädchen. Es hat gesagt, in
Samarien könnte ich geheilt werden. Die Antwort des Königs war einfach
und klar: Dann geh dorthin. Lass dir von diesem Wundermann helfen.
Warte, ich gebe dir eine Botschaft für König Joram mit.
Nun
also machte sich Naaman auf den Weg, krank, wie er war, aber mit
Hoffnung. Und er nahm zehn Barren Silber mit, 6000 Goldstückchen und
zehn Festgewänder. So trat der Sieger als Bittsteller vor den Besiegten
und übergab dem König Joram den Königsbrief seines Herren. Joram las ihn
und erbleichte: Wenn mein Naaman zu dir kommt, und du diesen Brief
liest, sieh zu, dass er geheilt wird von seiner Hautkrankheit. König
Joram zerriss aus Angst und Furcht sein Gewand und rief: Bin ich denn
ein Gott, der heilen und zum Leben erwecken könnte? Da schickt der
Sieger seinen kranken Feldherren zu mir und verlangt von mir, ihn zu
heilen! Bin ich nicht genug gestraft? Joram fragte flüsternd seine
Leute: Sucht er einen Vorwand, mich ganz zu vernichten?
Das
ging wie ein Lauffeuer durch die Hauptstadt: Die Aramäer verlangen von
König Joram, dass er Naaman heilt! So kam es auch Elischa zu Ohren, dem
Propheten, von dem das gefangene Mädchen erzählt hatte. Schnell ließ er
Joram sagen: Zerreiß nicht deine Kleider, habe keine Angst, fürchte dich
nicht! Naaman soll zu mir kommen. Dann wird er sehen, wer ein Prophet,
ein Mann Gottes ist.
Nun,
Naaman dachte nicht lange nach. Sein Zug setzte sich in Bewegung und kam
zur Hütte des Propheten. Der Herr schickte seinen Diener hinein. Aber
Elischa kam nicht vor die Tür. Er sagte dem Diener: Sag deinem Herren:
Fahrt zum Jordan, dem Grenzfluss zwischen Aram und Israel. Sieben mal
tauche darin unter und wasche deinen Ausschlag ab. Dann wirst du gesund
und rein sein.
Der
Diener trat aus der Hütte und wagte kaum zu sagen, was ihm der Prophet
gesagt hatte, und richtig, der Feldherr wurde wütend: Wir haben selbst
Flüsse in Aram. Bin ich darum hierher gezogen mit schweren Geschenken zu
diesem schwachen Volk, um mich von diesem Hüttenbewohner verspotten zu
lassen? Hätte ich nur nicht auf dieses dumme Mädchen gehört! Kann ich
mich nicht in unseren eigenen Flüssen waschen, und es hilft genauso
wenig? Dieser „Prophet“ kommt nicht mal über die Schwelle zu mir, zu
mir, dem Sieger über Israel! Was für eine Schande, was für eine
Erniedrigung! Naaman wandte sich um und wollte nur noch heim. Doch seine
Diener nahmen ihren Mut zusammen und stimmten ihren Herren um. Sie
sagten: Hätte der Prophet eine schwere Aufgabe gefordert, würdest du
nicht zögern es zu tun. Willst du es nicht einfach versuchen? Vielleicht
hat er recht, auch wenn wir es nicht verstehen?
Naaman
ließ sich das sagen. Er wurde wieder ruhig und sie zogen zum Jordan.
Dort nun sollte er sich in das Wasser tauchen. Warum siebenmal? mochte
er gedacht haben. Warum der Jordan? Ist es wichtig, dass es der
Gottesmann gefordert hatte? Siebenmal tauchte Naaman in den Jordan, ganz
wie Elischa es gesagt hatte. Und es war, als würde er Staub von sich
waschen. Seine Haut wurde glatt und rein wie Kinderhaut. Da befahl der
glückliche Feldherr seinem Tross: Lasst uns zurück zum Propheten kehren
und ihn belohnen!
Nun
schickte er keinen Diener vor, er selbst sprang vom Pferd und klopfte an
die Tür. Elischa öffnete.
Naaman
sprach: Jetzt weiß ich, es gibt keinen anderen Gott außer den in Israel.
Kein Erdenland hat so einen Gott wie Israel. So, nun nimm meine
Dankesspende an. Doch Elischa erwiderte: So wahr ich nur ein Diener des
lebendigen Gottes bin: Ich nehme nichts. Naaman bat ihn, drängte ihn,
beredete ihn, doch Elischa nahm nichts.
Schließlich glaubte Naaman zu verstehen. Er gebot seinen Dienern: Nehmt
Erde aus Israel hier von diesem Ort an der Hütte des Propheten auf eure
Lasttiere. Wir errichten darauf dann daheim in Aram einen Altar. Ich
werde keinem anderen Gott mehr opfern als dem Gott Israels.
Nur,
so bat er noch den verwunderten Propheten, möge mir Gott verzeihen, wenn
ich meinem König den Arm stützen werde, wenn er seine Götter anbetet.
Ich bin dazu verpflichtet, wenn er unserem Wetter- und Sturmgott Rimon
opfert. Elischa musste lächeln und gab seinem ungewöhnlichen Gast den
Segen: Gehe hin in Frieden!
Elischa hatte auch einen Knecht oder Jünger, jemand, der ihm zur Hand
ging. Gehasi war sein Name. Der hatte sprachlos alles mit angesehen. Da
kommt dieser Aramäer mit Taschen voller Gold und Silber, das er doch von
Israel geraubt hat, bietet es dem Propheten an und der lässt ihn ziehen,
ohne einen Groschen zu nehmen? So wahr der Herr lebt, das darf nicht
sein, sagte er zu sich und verschwand zur Seite. Er sah zu, dass er nach
einigen Stunden Naaman einholte. Der Geheilte freute sich, ihn zu sehen
und fragte ihn, warum er gekommen sei. Gehasi sagte: Ich komme von
meinem Herren. Er ließe grüßen und ihm sagen, dass eben zwei
Prophetenjünger aus den Bergen gekommen seien, abgerissen und hungrig.
Darum bäte er nun doch um etwas, nicht um viel und nicht für sich
selbst. Könnte er nicht zwei der Silberbarren und zwei der Gewänder ihm
für die Heilung überlassen?
Naaman
freute sich, dem Propheten seine Dankbarkeit zeigen zu dürfen und packte
die Sachen ein und ließ nicht zu, dass Gehasi sich damit abschleppen
musste. Seine Diener trugen die Sachen vor ihm her. Gehasi, dem Jünger
von Elischa war das natürlich nicht recht. Sein Herr sollte doch nichts
davon merken. Als sie aus der Sichtweite des Feldherrn waren, nahm er
den beiden die Geschenke freundlich ab und schickte sie ihrem Herren
nach. Er versteckte nun seine Beute in einem Busch und kam zur Hütte des
Propheten.
Elischa sah ihn traurig an: Wo bist du gewesen? Gehasi log: Nirgendwo.
Doch Elischa sagte: Mein Herz war bei dir. Wie konntest du das tun? Ist
es jetzt an der Zeit, Geld anzunehmen, Kleider oder Güter und ein Herr
zu sein? Schlag dein Gewand auf, was siehst du? So hast du nun den
Aussatz von Naaman bekommen. Und kein Jordanwasser wird ihn von dir
nehmen.
Liebe
Gemeinde, das ist die ganze Geschichte. Eine ganze Predigt lang. Eine
bemerkenswerte Erzählung. Es ist eine Geschichte der Diener. Erst hören
wir von einer Magd, einer Kriegsgefangenen, dann sind es wieder Diener,
die den Feldherren umstimmen. Auch Gehasi war nur ein Dienender. Es ist
eine Geschichte von Geben und Nehmen. Und es spielen Symbole eine Rolle:
Die Sieben zum Beispiel. Das war die wichtigste Zahl in Israel: Im
Tempel der siebenarmige Leuchter, sieben Tage hat die Woche, die Summe
aus drei und vier, Zahl aller Zahlen, Schöpfungsordnung. In der Mitte
der Tage, dem vierten Tag machte Gott Sonne und Mond und die Sterne. Und
am siebten Tag ruhte Gott, und mit ihm dann sein Gottesvolk. Und der
Jordan: die Grenze zum Gelobten Land. Das Stück Erde, das Naaman nach
Aram nimmt, - Juden aus aller Welt haben sich später ein Stückchen Erde
des Gelobten Landes für ihre Gräber besorgt. Und dann der Fluss, in dem
Jesus getauft werden sollte.
Das
Wasser der Reinigung, - wo es später Synagogen gab, da musste auch eine
Mikwa sein, ein Bad für die Reinigung. Und Naaman: Ein Heide beginnt zu
glauben. Die Geschichte besagt: Der wahre König und Herr aller Völker
ist allein der Gott Israels, der Gott Abrahams. Ein König vergeht vor
Angst. Der Prophet aber tritt nicht mal vor die Tür, wenn der fremde
Feldherr kommt. Ein Verlierer gebietet. Eine gefangene Magd weiß die
Lösung. Der Gewinner bittet beim Verlierer und lässt sich von seinen
Dienern belehren. Eine wunderbare Geschichte.
Eine
wunderbare Geschichte, wie sie es auch unser Leben ist. Das Geringste
daran ist vielleicht das offensichtlich Wunderbare, ich meine, wenn
irgendetwas geschehen sollte, was eigentlich nicht passieren dürfte. Die
ganze Geschichte erst ist das Wunder. Ein alter Mann sagte mir einmal:
Der wichtigste Satz aus der Bibel für mich war der aus den Klageliedern
3:
Die
Güte des Herrn ist´s, dass wir nicht gar aus sind,
seine
Barmherzigkeit hat noch kein Ende,
sondern sie ist alle Morgen neu, und Gottes Treue ist groß.
Dieser
Mann hat nicht ein einziges Wunder erlebt wie Naaman im Jordan, aber das
machte nichts. Er wusste sich bewahrt und behütet und spürte die Nähe
und tragende Hand Gottes. Ihm hat das Wichtigste nicht gefehlt. Und
manchmal muss man sich auch hüten, das zu nehmen, was einem angeboten
wird. Denn bisweilen bleibt man reicher, wenn man nichts davon anrührt.
Denn was Gott gibt, sollte man nicht sich bezahlen lassen. Die Säckchen
Erde, die Naaman mit sich nahm, waren mehr als die zehn Silberbarren,
6000 Goldstückchen und zehn Gewänder. Sie bedeuteten Glauben.
Die
Geschichte, die wir gehört haben, ist wie unsere eigenen
Lebensgeschichten offen für verschiedene Deutungen.
Wer
würde sich vermessen und am Ende seines Lebens sagen wollen, er wisse,
warum ihm was widerfahren ist? Schlecht aber ist es, wenn wir nicht dem
zu danken wissen, der der Geber aller Gaben ist. Das ist nicht deswegen
schlimm, weil Gott sonst beleidigt wäre, sondern das ist darum schlimm,
weil wir uns sonst irren und denken, wir wären die großen Helden, dabei
waren wir im besten Fall doch nur in der Hand Gottes. Wer nicht versteht
zu hören und zu dienen, sollte lieber nichts tun.
Sind
wir nicht auch ganz umsonst wie Naaman in den Jordan der Taufe getaucht
worden? Nur darum gehören wir zum Gelobten Land. Das ist das Land, wo
Milch und Honig fließen, wo die ganze Stadt wie von Edelsteinen glänzt,
das ist das wiedergewonnene Paradies der Unschuld und Versöhnung, - was
brauchen wir da Barren aus Silber und Gold?
Amen.
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