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70
Jahre ist es her
Im Herbst 1939 wurden die
Deutschen aus dem Baltikum „umgesiedelt“ in das gerade von Hitler besetzte
Polen, den „Warthegau“. Am 24. August 1939 war ein Vertrag in Moskau
unterschrieben worden, der die Länder zwischen der Sowjetunion und dem
Deutschen Reich aufteilte wie Diebesbeute. Man sprach beschönigend von
„Interessensphären“. Am 1. September 1939 griff die Deutsche Wehrmacht Polen
von Westen an, am 17. des gleichen Monats die Rote Armee vom Osten her. Am
28. September wurde ein Zusatzprotokoll zum Deutsch-Sowjetischen Vertrag
angefertigt, das festlegte, dass die Deutschen das Baltikum zu verlassen
hätten. Das Deutsche Reich verhandelte entsprechend über die Köpfe der
Betroffenen hinweg mit den Regierungen von Estland und Lettland. Damit war
das Schicksal der Deutschbalten beschlossen. Spätestens jetzt wurde den
beiden baltischen Regierungen klar, was gespielt wurde. Sie waren verkauft
und verschachert worden. Mehr als 50.000 Deutsche aus Lettland verloren
damals ihre Heimat. Ihre neue „Heimat“ war gestohlenes Land und blieb ihnen
gerade einmal 6 Jahre, bevor sie aus ihm fliehen mussten, weiter gen Westen.
Die
Umsiedlung 1939
war nur der Beginn von weiterer Migration, von Verschleppung
und Massenmord. Bald nach der sowjetischen Besatzung setzten die ersten
Deportationen nach Osten ein. Als die Deutsche Wehrmacht Lettland besetzte,
begann schon in den ersten Tagen der Judenmord. Zum Ende des Krieges
retteten sich Zehntausende Letten ins Exil gen Westen. In der erneuten
sowjetischen Okkupationszeit wurden in zwei Schüben wieder Zehntausende nach
Sibirien verschleppt. Dafür siedelte man Hunderttausende aus dem Osten in
Lettland an, unter ihnen viele, die selbst Deportation und Vertreibung
hinter sich hatten, wie zum Beispiel die Russlanddeutschen, die immerhin die
Hälfte unserer Gemeinde ausmachen.
Wir haben in einer
Veranstaltung von „domus rigensis“ am 14. Oktober 2009 der Umsiedlung gedacht.
Hier ist der Vortrag von Martin Grahl auf
Deutsch und auf Lettisch
nachzulesen.
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Als die Baltischen
Staaten Estland, Lettland und Litauen im Jahre 1991 ihre Unabhängigkeit
wieder erlangten, entstanden viele Initiativen, um die historischen
Verbindungen zwischen Deutschland und dem Baltikum wieder zu beleben.
Besonders die Deutschbalten, die aus Lettland und Estland stammen, pflegen
intensive Kontakte zu Menschen und Institutionen in ihrer früheren Heimat.
Der Verein
DOMUS RIGENSIS
wurde 1992 auf lettische Initiative hin von Deutschbalten und Letten in Riga
gegründet.
DOMUS RIGENSIS
hat
heute rund 250 Mitglieder aus Deutschland und aus Lettland. Der Verein
unterhält im Menztendorffhaus in der Altstadt von Riga ein
Deutschbaltisch-Lettisches Zentrum, dessen Geschäftsstelle eine Drehscheibe
von Kontakten zwischen Deutschen und Letten geworden ist. Ziel ist die
Pflege des gemeinsamen kulturellen Erbes der Stadt Riga und die Begegnung
von Menschen, die sich für Riga und Lettland interessieren. Der Verein
verfolgt keine politischen oder wirtschaftlichen Ziele, sondern dient
ausschließlich gemeinnützigen Zwecken.
Zu den domus rigensis Tagen 2010 Anfang
Juli siehe:
www.domus-rigensis.eu |